Beim Betreten der verlassenen Ziegelei-Halle herrscht absolute Dunkelheit. Ein dumpfer Knall durchbricht die Stille, Staub liegt in der Luft. Schritte hallen auf dem Boden. Schemenhaft zeichnen sich Konturen ab. Die Halle ist weit, unübersichtlich, voller Winkel und Verstecke. In ihrer Mitte ragt der massive Brennofen auf, umgeben von Trümmern, Nischen und potenziellen Fundorten. Auf ein kurzes Kommando hin löst sich ein Hund von seiner Führerin, arbeitet sich konzentriert durch die Dunkelheit, klettert über Hindernisse und verschwindet zwischen den Trümmern. Jeder seiner Schritte wird genauso beobachtet wie das Zusammenspiel zwischen Vierbeiner und Hundeführerin. Am Rand verfolgen Prüferinnen und Prüfer das Geschehen aufmerksam, ihnen entgeht kein Detail.
Am vergangenen Wochenende richtete die Rettungshundestaffel des BRK-Kreisverbandes Fürth in der alten Ziegelei in Langenzenn eine bayernweite Trümmerprüfung aus. Insgesamt 20 Mensch-Hund-Teams waren aus ganz Bayern angereist, um sich der anspruchsvollen Aufgabe zu stellen. Der Prüfungsablauf folgte einer klaren Struktur. Jedes Team wurde einzeln geprüft. Nach der Anmeldung in BRK-Wache am Schießhausplatz brachte ehrenamtliche Mitglieder der Fürther Staffel die Teilnehmenden zur Ziegelei. Dort begann die fordernde Suche: Innerhalb von 20 Minuten mussten die Hunde gemeinsam mit ihren Hundeführerinnen und Hundeführern drei verschüttete Personen in der weitläufigen Halle aufspüren. Gleichzeitig galt es, sich nicht ablenken zu lassen. Versteckte Lebensmittel und Kleidungsstücke setzten gezielte Reize, durften jedoch nicht angezeigt werden. Entscheidend war allein die sichere Anzeige menschlicher Witterung.
„Die Trümmerarbeit gehört zu den anspruchsvollsten Disziplinen in der Rettungshundearbeit“, so Nadja Pielmann, die die Rettungshundestaffel im Fürther BRK leitet. „Hier zählen Ausbildung, Einsatzbereitschaft und das enge Vertrauen zwischen Mensch und Hund.“ Die Trümmersuche kommt immer dann zum Einsatz, wenn Menschen nach Gebäudeeinstürzen, Explosionen oder Naturkatastrophen unter eingestürzten Strukturen vermutet werden. Die Hunde arbeiten sich dabei durch schwer zugängliche Trümmerfelder und folgen ausschließlich der menschlichen Witterung, die für sie selbst durch Beton, Holz oder Metall hindurch wahrnehmbar ist. Ziel ist es, verschüttete Personen schnell zu lokalisieren, um Rettungskräften ein gezieltes und damit lebensrettendes Eingreifen zu ermöglichen.
Je zwei Trümmerprüfungen im Frühjahr und im Herbst veranstaltet das Bayerische Rote Kreuz aus Landesebene. Um die Objektivität der Prüfung zu gewährleisten, treten keine Teams aus dem ausrichtendem Kreisverband an. Die Bewertung übernehmen ausschließlich externe Prüferinnen und Prüfer. Ergänzt wird das Prüfungsteam durch eine Fachkraft einer anderen Hilfsorganisation, in diesem Fall des Technisches Hilfswerk (THW). Dieses Vorgehen stellt sicher, dass alle Teams unter vergleichbaren Bedingungen geprüft werden. Von den insgesamt 10 Rettungshunden im Fürther BRK-Kreisverband gibt es derzeit einen ausgebildeten Trümmersuchhund. Zwei weitere Hunde befinden sich in der Ausbildung.
